Betriebsbesichtigung bei Sennheiser
Wie entsteht eigentlich ein Mikrofon, das weltweit auf Konzertbühnen (zuletzt bei Eurovision-Song-Contest), in Rundfunkstudios oder bei professionellen Produktionen eingesetzt wird? Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler des Technik-Elektrotechnik-Kurses des 11. Jahrgangs bei einer Betriebsbesichtigung des Produktionsstandortes von Sennheiser in der Wedemark nach.
Technik-Elektrotechnik-Kurs des BGTs blickt hinter die Kulissen der Mikrofonproduktion
Zu Beginn der Führung erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die Geschichte des Familienunternehmens. Gegründet wurde Sennheiser im Jahr 1945 von Prof. Dr. Fritz Sennheiser. Bis heute wird das Unternehmen von der Gründerfamilie geführt und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem weltweit führenden Hersteller hochwertiger Audiotechnik entwickelt.
Anschließend bekamen die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die vielfältigen Mikrofone, die am Standort entwickelt und produziert werden. Besonders beeindruckend war die außergewöhnlich hohe Fertigungstiefe: Viele Bauteile werden direkt im eigenen Werk hergestellt und montiert. Dadurch kann Sennheiser höchste Qualitätsstandards sicherstellen und die Produktion kontinuierlich weiterentwickeln. High-End-Mikrofone unter dem Namen Neumann kosten bis zu 10000 €.
Ein besonderes Highlight war die Besichtigung der Fertigung. Viele Produktionsschritte werden durch selbst entwickelte Teilautomatisierungslösungen unterstützt, die exakt auf die Anforderungen der Mikrofonproduktion abgestimmt sind. Gleichzeitig bleibt bei zahlreichen Arbeitsschritten höchste Präzision und handwerkliches Können gefragt.
Erstaunlich war für die Schülerinnen und Schüler auch der enorme Aufwand bei der Qualitätssicherung. Je nach Mikrofontyp kann die Kalibrierung bis zu einem halben Jahr dauern, bevor ein Produkt die hohen Qualitätsanforderungen erfüllt und ausgeliefert werden kann. Großes Interesse weckte außerdem der historische Akustikraum des Unternehmens. Dieser wird seit Jahrzehnten für hochpräzise Messungen genutzt und kann trotz seines Alters nicht einfach modernisiert oder ersetzt werden. Eine Veränderung des Raumes würde dazu führen, dass sämtliche Vergleichsmessungen der vergangenen rund 60 Jahre ihre direkte Vergleichbarkeit verlieren würden.
Bei der Entwicklung neuer Produkte setzt Sennheiser auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dafür werden Projektteams gebildet, in denen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Akustik, Elektrotechnik, Programmierung, Automatisierung und Controlling gemeinsam an neuen Lösungen arbeiten. So entstehen innovative Produkte, die technische Spitzenleistung mit hoher Praxistauglichkeit verbinden.
Besonders spannend war für den Technik-Elektrotechnik-Kurs der Einsatz moderner Cobots in der Produktion. Die kollaborierenden Roboter ähnelten den Systemen, mit denen die Schülerinnen und Schüler bereits im Unterricht gearbeitet und eigene Programmierungen umgesetzt haben. So konnten sie viele der im Unterricht behandelten Inhalte direkt in einem industriellen Umfeld wiedererkennen.
Die Betriebsbesichtigung bot den Schülerinnen und Schülern einen äußerst informativen und interessanten Einblick in die Entwicklung und Produktion hochwertiger Audiotechnik. Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie moderne Elektrotechnik, Automatisierung und Präzisionsfertigung in einem international erfolgreichen Unternehmen zusammenwirken und machte deutlich, welche vielfältigen beruflichen Perspektiven technische Berufe bieten.



